Donnerstag, 19. Juni 2008
![Foto mit freundlicher Genehmigung von Gerti. G. [Bild: Den Riegel vorschieben von Gerti. G.]](http://www.photocase.de/de/upload/05/hbpsebu9/photocase298176362.jpg) Gestern nacht konnte ich so dermassen nicht schlafen (wenn man schon mal vom Vollmond spricht...), dass ich mal eben ein Terry Pratchett-Buch durchgelesen habe: „Nur du kannst sie verstehen”.
Die Hauptperson ist der 12-jährige Johnny Maxwell. Und der sieht im städtischen Friedhof plötzlich die Toten. Und den Rest lest selbst! Ein paar Zitate: (Note to self: Darauf achten, jetzt das Buch nicht nochmal zu lesen!) Ein panischer Ausdruck huschte über Wobblers Gesicht. Da er ein ziemlich breites Gesicht hatte, brauchte das eine ganze Weile.
Man verzeihe mir das riesige Zitat, aber es ist einfach zu schön und zu wahr: Johnny zögerte. Ich könnte mich jetzt umdrehen, dachte er, und nach Hause gehen. Und wenn ich mich umdrehe, werde ich nie rausfinden, was als nächstes passiert. Ich werde weggehen und werde nie erfahren, warum es jetzt passiert ist und was als nächstes kommt. Ich werde weggehen und erwachen werden [...] bis ich sterbe, und ich werde es nie erfahren.
Und er dachte: Vielleicht bin ich schon gestorben. Vielleicht ist das alles schon geschehen, und gerade als ich sterben sollte, ist ein Engel vorbeigekommen und hat gesagt, hast Du noch einen Wunsch? Und ich hab geantwortet, ja, ich würde gern wissen, was passiert wäre, wenn ich nicht weggerannt wäre, und der Engel hat gesagt, o.k., du kannst noch mal zurückgehen. Und da bin ich, wieder hier. Ich darf jetzt nicht kneifen.
Die Welt wartete.
Dann ein Beispiel Pratchetts bildlicher Sprache: Es war faszinierend, wie auf dem Friedhof alle Geräusche leiser wurden. [...] jeglicher Lärm wurde sofort gedämpft, als ob man ihn durch eine Wolldecke hindurch hörte. Statt dessen drang Stille auf sie ein - sie drängte von unten hoch, dachte Johnny, wie Wasser, das man atmen konnte. Sie rauschte. Auf dem Friedhof macht die Stille ein Geräusch.
Etwas Meta-Physik... Wenn man Angst hat, nimmt man vieles wahr. Kleine Details gewinnen an Bedeutung. [...] Sie waren nicht verblaßt, nur weiter weg, in einer Dimension, die außerhalb der normalen drei lag.
...gewürzt mit einer Portion Philosophie: Die Sache ist die -
- im Lauf der Zeit hat es immer wieder Leute gegeben, die Dinge nicht erfinden konnten, weil der Rest der Welt noch nicht reif dafür war. Leonardo da Vinci hatte die Motoren oder Materialien noch nicht, um seinen Hubschrauber zu konstruieren. [...] Als Mr. Fletcher das erste Mal einen Computer sah, erkannte er ihn sofort wieder.
...abgeschmeckt mit trockenem Humor: „Mr. Stickers [ein Kommunist, bereits tot] ist verärgert, weil er mit Moskau telefoniert hat”, erklärte der weißhaarige Mann. „Sie sagten, sie hätten genug Revolution gehabt und sie bräuchten jetzt Seife.”
...garniert mit Tiefsinnigkeit: „[...] Entschuldige, junger Mann, aber solltest Du nicht in der Schule sein?”
„Nein”, sagte Johnny.
„Wirklich?”
„Ich sollte hier sein. Da bin ich mir ganz sicher&rdquo, erklärte Johnny.
Und vollendet mit Weisheit, dem Zitat, dass mich eigentlich erst zu diesem Artikel inspiriert hat: Johnny ging über die Auffahrt zurück und bemerkte dann, was um ihn vorging. Etwas Wichtiges war geschehen, und er war der einzige Lebende, der es gesehen hatte und es war richtig so.
Es war auch richtig, daß man Orden einfach dafür bekam, daß man da war. Manchmal konnte man nichts anderes tun, als einfach nur da seiin. In diesem Sinne: Danke, das ihr da seid! Und ein schönes Leben noch!
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