Dank
Andreas' Empfehlung war ich heute in Dresden beim
Unterton-Workshop im BAMBUS Übungsraum mit
Jan Heinke . Der Workshop hat sich für mich in vielerlei Hinsicht gelohnt.
Zunächst möchte ich einen weit verbreiteten Irrtum ausräumen: Beim Untertonsingen geht es nicht primär darum, besonders tief zu singen - das ist nur eine von vielen interessanten Einsatzmöglichkeiten. Demzufolge können auch Frauen Unterton singen. Wie beim Oberton-Singen wird ein Basiston gesungen und durch das Flattern der Stimmlappen (die sonst in unseren Breiten praktisch nicht benutzt werden) entsteht ein weiterer Ton. Im Gegensatz zu den Obertönen handelt es sich dabei um einen Ton mit der halben oder drittel Frequenz des Basistons. Basierend auf diesem Unterton erweitert sich dann das Obertonspektrum sehr - es können mehr Obertöne produziert werden.
Mit den Untertönen komme ich noch nicht so richtig klar. Es ist am Anfang auch recht anstrengend für den Hals, denn wie gesagt werden diese Körperteile sonst kaum genutzt. Da werde ich zu Hause noch ein bischen üben, vielleicht mit Unterstützung von einer CD.
Apropos CD: Man muss Unterton gehört haben, bevor man eine Vorstellung davon hat.
- Auf der Seite von Chris Amrhein findet man ein Unterton-Beispiel (Chris singt im Stück „Baumtraum” die Stimme in Unterton).
- Bei Hosoo finden sich bei den CDs auch einge Hörproben, z.B. Transmongolia von 2004, dort das Stück „Great Khan”
Weiter zum Seminar: Jan empfand ich als wirklich angenehm und ruhig. Nicht nur, dass er eine sehr schöne, volle Stimme hat (quasi eine der Nebenwirkungen von intensivem Singen), sondern auch als Mensch war er schön entspannt und locker.
Zunächst haben wir eine kleine Einstiegsübung zur Stimmentwicklung gemacht. Das entscheidende beim Singen ist, der Stimme Raum zu geben, das heißt, diese auch richtig mit Kraft rauszulassen. Die Übung war, ein kurzes, intensives Bah, als wolle man den Ton an die gegenüberliegende Wand klatschen. Daran schlossen sich gefühlte 2 Stunden Unterton-Übungen an, z.T. reihum einzeln mit Tipps von Jan und zum Teil haben wir alle gleichzeitig herumexperimentiert. Das Merkwürdige an Untertönen ist, dass es keine richtige Technik gibt, um diese zu lernen. Beim Oberton-Singen gibt es relativ leichte Übungen (L am Gaumen, Gong-ong-ong usw.), wo man ziemlich schnell die Obertöne hört und dann singen kann. Beim Unterton-Singen ist es so, dass man die Stimmlappen locker lassen muss, der Trick ist hier also, etwas
nicht zu tun. Und die einzigen Hilfen dazu sind Räuspern und Hören. Das war ziemlich anstrengend.
Sehr gut fand ich, dass Jan bei den Reihum-Runden jeweils auf den Einzelnen einging. Einige waren noch auf dem Weg zum ersten Unterton (wie ich), andere hatten schon Erfahrung, brachten gleich Untertöne zustande und konnten schon an Details arbeiten.
Nach einer kurzen Pause zeichnete sich ab, dass wir erstens unsere Kehlen schon sehr beansprucht hatten und zweitens einige Teilnehmer einen kombinierten Oberton-/Unterton-Workshop erwartet hatten. Also haben wir im zweiten Teil Oberton geübt. Auch hier waren die Voraussetzungen der Teilnehmer verschieden, aber alle hatten zumindest schon einmal probiert, völlige Neulinge waren nicht dabei. Nach ein-zwei Runden individueller Arbeit haben wir dann eine ganze Weile einfach frei in der Gegend herumexperimentiert. Es ist beeindruckend, was für Töne man produzieren kann. Besonders die Klarheit gefällt mir an den Obertönen so gut.
Kurz vor Schluss gab Jan dann noch einige polyphone Stücke zum Besten, d.h. er sang zum Teil eigenkomponierte Musik mit zwei Stimmen gleichzeitig. Die präzise Beherrschung der Obertöne war schon beeindruckend. Vor allem ist da noch viel Spielraum für neue Kompositionen etc., das Feld ist ja noch relativ neu in der westlichen Welt und kaum erforscht.
Als krönenden Abschluss sangen wir noch einmal gemeinsam im Kreis Oberton, jeder nach seinem Gefühl. Das war sehr schön, weil es auf merkwürdige Weise einfach zusammengepasst hat. Ich habe für mich deutlich gespürt, welchen Grundton ich singen wollte. Und am Ende haben wir nahezu gleichzeitig aufgehört.
Alles in allem ein sehr lohnenswertes Seminar. Ich nehme viele Anregungen für's Üben mit und es hat mich in meinem Wunsch bestärkt, in Chemnitz eine Obertongruppe zu gründen (oder zu finden). Chemnitzer Obertonsänger, meldet Euch!