Gestern war ich beim Konzert
Wie im Himmel von Lex van Someren in Dresden.
Das Konzert war gut besucht - der Ballsaal im Parkhoten „Weißer Hirsch” war ausverkauft (ich schätze ca. 300 Besucher). Lex bot gemeinsam mit seiner Begleiterin ungefähr zweieinhalb Stunden Musik (unterbrochen von einer 20-minütigen Pause). Das Programm war eine Mischung aus Mantren (von seinen CDs bekannt, z.B. das
Gayatri) und improvisierter Musik (Gesang, Trommel, Flöte, Keyboard und einige Instrumente mehr).
Insgesamt hinterliess das Konzert bei mir einen vorwiegend positiven Eindruck, es gab aber auch einige Dinge, die mir unangenehm aufgefallen sind.
Zuerst das Positive: Lex' Stimme ist ziemlich vielseitig. Ich bin zwar nicht 100% sicher, was vom Gesang echt war (und das ist ein negativer Aspekt: ohne die elektronische Unterstützung wäre das Konzert kaum denkbar gewesen), aber der Stimmumfang ist schon erstaunlich. Er sang in Höhen, die ich eher Sopranstimmen zuordnen würde. (Aber ich bin auch kein Musikexperte, kenne mich da nur wenig bis gar nicht aus.) Beeindruckend war, wie Lex seinen Körper als Instrument nutzte - besonders bei den hohen Passagen spielte er förmlich mit seinen Armen und Händen am Ton (vermutlich ist das eine Hilfe, um bei diesen Tonhöhen die nötigen minimalen Spannungsänderungen in den Stimmbändern präzise zu steuern).
Die Musik war insgesamt sehr meditativ und ging oft sehr tief. Ich habe viel mitgebrummt, leise mitgesungen, einfach meine Stimme in mir schwingen lassen, weil mir das gut tut. Ich hatte ein paar gute meditative Passagen und innere Bilder. Sehr deutlich war für mich wieder der innere Drang zur Bewegung, d.h. die Impulse der Musik durch Bewegung (Tanzen würde ich es nicht nennen) zum Ausdruck zu bringen. Das habe ich mich dann aber doch nicht getraut. Da steckt auch noch ein Tänzer in mir.
Etwas unangenehm fiel mir die technische Unterstützung auf (und das von mir als bekennendem Techno-Hörer!

). Zwar hatte man dort „Naturschallwandler” gross in Szene gesetzt und auch beworben, doch nahm ich gleich bei Beginn des Konzerts ein zartes, hohes Grundgeräusch wahr (das könnte z.B. ein Störgeräusch vom verwendeten Laptop gewesen sein), was mich dann an der technischen Präzision etwas zweifeln liess. (Nicht vom Naturschallwandler, sondern der Gesamtanlage. Über die Naturschallwandler will ich hier keine Meinung abgeben.) Ich glaube, dass durch die Aufnahme-Verarbeitung/Verstärkung-Wiedergabe immer etwas vom natürlichen Klang verloren geht. Da kann man die allerbesten Komponenten nehmen - live und unplugged hat irgendwie ein anderes, direkteres Feeling. (Nicht umsonst werden CDs in der Regel aufwändig im Tonstudio produziert und „feingeschliffen”, um möglichst nahe an das authentische Erlebnis zu kommen.)
Positiv ausgedrückt: Auch ein Lex von Someren kocht nur mit Wasser. Das Konzert war gut, die Musik ging tief und tat mir sehr gut. Ich würde seine Stimme gern mal live und direkt hören (ohne elektronischen Hall o.ä.), aber das ist nur meine Neugier.
Insgeheim hatte ich auf ein Ende wie im gleichnamigen Film gehofft; diese Hoffnung hat sich leider nicht erfüllt. Und mein Impuls, das selbst zu initiieren, war nicht stark genug, um es zu versuchen. Na, das werde ich schon nochmal erleben.
Sehr gut gefallen hat mir die Ansage, nach den einzelnen Stücken nicht zu klatschen - so ein Applaus zerhackt die Stille sehr brutal. Und um die (innere) Stille ging's ja eigentlich beim Konzert. (Feines Paradox!) Das ist mir zwischendurch mal sehr bewusst geworden, als ein Lied ausklang und danach Stille war. Das hatte etwas Respektvolles, Gemeinsames. Leider hat dann am Ende des Abends der Gewohnheitsreflex gesiegt und es wurde doch geklatscht. Bischen schade.
Das Konzert hat sich für mich insgesamt gelohnt und war auch seine 21 Euro wert. Zum nächsten Konzert werde ich aber eher nicht gehen. Aber ich bin auch eher ein „das erste Mal ist das Beste”-Typ, da gibt es nicht viele Ausnahmen.