Also ist heute Männertag. Wunderschönes Wetter, ideal zum Bollerwagen schnappen und „durch die Kante ziehen”.
Nur, dass es nicht mein Ding ist, mir die Birne vollzusaufen (oder Sonnenstich zu kriegen). Zudem wüsste ich auch gar nicht, mit wem. Irgendwie habe ich das dringende Gefühl, dass diese Männertags-Tradition auf einem alten, überholten Männerbild aufbaut.
Gestern kam ich beim
„Vokalweltenbummler” vorbei und las den Artikel
Innen und Außen. Das erinnerte mich unter anderem an den heutigen Feiertag, der doch bei vielen als Anlass genommen wird, mal wieder die Sau rauszulassen.
Warum wurde die Sau überhaupt eingesperrt (und welche Sau)? Was ist es, dass hier zu bestimmten Anlässen zelebriert werden soll? (Wie zur Bestätigung höre ich draußen Gegröle.)
Wenn ich mir das mal so durch den Kopf und Bauch gehen lasse, dann fühlt sich das an wie eine Ersatzhandlung, genauer gesagt: Ablenkung. „Mir geht's doch gut!” sagte der Depressive und verschwand wieder in seiner Depression. „Uns geht's doch gut!” grölen die Kerle, um es sich selbst glauben zu machen, doch innen drin rumort weiter der Schmerz und die Wut.
Schmerz? Wut? Woher, worauf? Auf ein Leben, dass nicht zu-frieden stellt? Auf eine Arbeit, die man eigentlich nicht tun will, aber glaubt, tun zu müssen? Schmerz, weil mann nie gelernt hat, seine Gefühle zu äußern? Weil mann schon seit der Kindheit mit Phrasen wie
große Jungs weinen nicht malträtiert wurde und gelernt hat, seine Gefühle zu unterdrücken, den Starken zu markieren und sich damit selbst zu verstümmeln?
Ja, Schmerz und Wut. Das erinnert mich an einen Mann, den ich einmal traf. Er war ständig damit beschäftigt, andere zu foppen und zu ärgern. Oberflächlich betrachtet war es ein Arschloch. Doch als ich in seine Augen sah, sah ich seinen Schmerz und seine tiefe Verletzung. Das war zu viel für ihn, er konnte das nicht zulassen. Er hatte es wohl nie gelernt und kompensierte das jetzt durch Aufdringlichkeit.
Ich bemerke bei mir ähnliche Tendenzen (hier via Blog nach draußen zu gehen ist eine davon), denn auch ich fühle mich manchmal noch verletzt und auch ich habe noch Wut (es heisst, Wut wäre ein Sekundärgefühl, es steckt immer etwas anderes dahinter).
Mut macht mir, dass ich damit nicht allein bin. Es gibt immer mehr Männer, die mit sich und den Klischees aufräumen. Es tut sehr gut, zu seinen Gefühlen zu stehen. Es tut gut, diese zu kommunizieren. Und noch besser ist es, wenn das auch respektiert wird.
Männer! Kämpft nicht mehr! Schliesst Frieden mit Euch.