Freitag, 18. April 2008
Plädoyer für das Chaos
Eines meiner Ziele im Leben ist absolute Ehrlichkeit - zuerst gegenüber mir selbst und dann gegenüber allen anderen. Deshalb vorweg: Ich schreibe dieses Blog natürlich nicht aus reiner Selbstlosigkeit, sondern weil ich etwas davon habe. Beim Schreiben habe ich die Gelegenheit, meine Gedanken zu sortieren. Ich habe neue Ideen und Erkenntnisse. Und letztendlich erfreut mich der Gedanke, dass es jemand lesen könnte und einen wertvollen Impuls aus meinen Worten erhält.
Anfang dieser Woche war ich bei einem Treffen von Menschen, die gemeinsam scheinbar banale Probleme erörtern und Lösungen dafür suchen. Jemand äußerte, dass er Angst davor hätte, die Kontrolle zu verlieren. Das war für mich ein wichtiger Impuls - ich bekam die Eingebung, dass es hilfreich wäre, sich mit dem Chaos, dem Unkontrollierbaren anzufreunden. Paradox dabei ist: Das kann zunächst völlig kontrolliert erfolgen! Z.B. indem ich mir Zeit nehme zum Malen oder sonstwie kreativ tätig zu sein, mich also bewusst dem Kreativen, dem Chaotischen und Unkontrollierbaren aussetze.
Und als ich vorhin beim Abendbrot saß und meine Gedanken schweifen liess, kam das Thema Chaos wieder vorbei und ich beschloss, diesen Artikel zu schreiben.
Anfang dieser Woche war ich bei einem Treffen von Menschen, die gemeinsam scheinbar banale Probleme erörtern und Lösungen dafür suchen. Jemand äußerte, dass er Angst davor hätte, die Kontrolle zu verlieren. Das war für mich ein wichtiger Impuls - ich bekam die Eingebung, dass es hilfreich wäre, sich mit dem Chaos, dem Unkontrollierbaren anzufreunden. Paradox dabei ist: Das kann zunächst völlig kontrolliert erfolgen! Z.B. indem ich mir Zeit nehme zum Malen oder sonstwie kreativ tätig zu sein, mich also bewusst dem Kreativen, dem Chaotischen und Unkontrollierbaren aussetze.
Und als ich vorhin beim Abendbrot saß und meine Gedanken schweifen liess, kam das Thema Chaos wieder vorbei und ich beschloss, diesen Artikel zu schreiben.
Dabei fällt mir eben auf, dass ich wohl ein ganzes Buch damit füllen könnte, wenn ich nur genug Zeit dafür aufwende. Deshalb muss ich mich für heute wohl mit einem groben Abriss meiner Gedanken begnügen. 
Philosophisch kann man Chaos einfach als unerkannte Ordnung betrachten. Diese Vorstellung gefällt mir ganz gut - lässt sie dem ordnungssuchenden Verstand doch die Option offen, doch irgendwann fündig zu werden. Man kann sich diese Option aber ganz leicht wieder verbauen, indem man unüberwindbare Grenzen propagiert, was z.B. im Spruch „Gottes Wege sind unergründlich” mitschwingt (in dem Spruch steckt noch viel mehr, auf das ich heute nicht eingehen möchte). Entscheidend ist meiner Meinung nach, dass man das Chaos (bzw. die noch nicht erkannten Ordnung) einfach sein lassen kann und nicht dagegen ankämpft (dann wird es nur größer - siehe What we resist, persists).
Die Betrachtungsweise Chaos = unerkannte Ordnung ist insofern hilfreich, als dass sie darauf hinweist, dass Chaos und Ordnung etwas Gemeinsames haben und das Chaos nicht einfach Zufall ist. Es sind beides Phänomene der gleichen Existenz. Lediglich der Beobachter (d.h. z.B. ein menschlicher Verstand und/oder Geist) unterscheidet. Unterscheidung dient dem Erkennen. Wobei hier überall Paradoxe lauern: Um zu erkennen, unterscheide ich zunächst, um daraufhin den Nicht-Unterschied zu erkennen. Immer schön entspannt bleiben!
Falls das jetzt chaotisch aussieht: Darum geht's in diesem Artikel.
(Schöne Überleitung!) Denn genau in dieser „Nicht-Ordnung” können sich plötzlich neue Ordnungen offenbaren. Gerade eben habe ich über Unterschied und Erkennen nachgedacht und geschrieben. Und aus der leichten Verwirrung, die dabei bei mir entstand, funkelte plötzlich eine tiefere Wahrheit, ein subtiles Gefühl, eine Erinnerung.
Das ist für mich eine der Haupt-"funktionen" des Chaos: Kreativität. Aus dem scheinbar chaotischen entsteht neues (siehe Mutation in Darwins Evolutionstheorie). Insofern sorgt das Chaos dafür, dass nicht alles in der Ordnung erstarrt, sondern dass es stets Veränderung und Entwicklung gibt.
Chaos und Ordnung sind im Wechselspiel. Chaos bringt Leben hervor. Leben benötigt eine gewisse Ordnung, sonst wäre es gar nicht als solches erkennbar. Leben ordnet also, ist aber gleichzeitig Teil des Chaos. Reine Ordnung wäre auch kein Leben - dann wäre alles mechanisch und tot. Wieder anders ausgedrückt: Leben benötigt die Balance zwischen Chaos und Ordnung, zwischen Veränderung und Beständigkeit. Gleichzeitig ist Leben Teil des Kreislaufs Chaos->Ordnung->Chaos und hält diesen am Laufen. Ich denke dabei gerade an Nahrungskreisläufe: Vom kleinsten Einzeller über immer komplexere (geordnetere) Lebensformen bis zu deren Wiederverwertung.
Es gibt ein eindrucksvolles Beispiel dafür, das Leben ohne eine gewisse Portion Chaos nicht funktioniert. Das Gebiet der Chaosforschung ist noch recht jung. Das Wort Fraktal haben mittlerweile viele Menschen schon gehört, auch der berühmte Schmetterlingseffekt ist bekannt. Einer der Begründer dieser Disziplin, Edward Norton Lorenz, ist diese Woche gestorben; nach ihm ist der Lorenz-Attraktor benannt. Ich bin selbst kein Chaosphysiker, habe jedoch so einiges aufgeschnappt.
Zurück zum Beispiel: Man kann durch mathematische Analyse von EEG-Daten (Gehirnstrommessungen) einen epileptischen Anfall mit ein paar Minuten Vorsprung relativ gut vorhersagen, indem man die fraktale Dimension der EEG-Daten berechnet. Die fraktale Dimension ist nach meinem Verständnis eine Art chaotische Komplexität. Das interessante an dieser Untersuchung (leider konnte ich keine einschlägige Quelle mehr finden, ich erinnere mich vage an einen Fernsehbericht; hier stehen ein paar Verweise) ist, dass sich ein epileptischer Anfall durch ein Sinken der fraktalen Dimension ankündigte, d.h. das Chaos im Gehirn nahm ab.
Es ist mittlerweile wissenschaftlich anerkannt, dass EEGs chaotische Elemente enthalten (lange war das nicht sicher und man vermutete z.B. reines Rauschen, da ein EEG-Signal aus vielen, vielen Teilsignalen gebildet wird). Meine Schlussfolgerung daraus: Ohne ein gewisses Grundchaos kann das Gehirn nicht ordentlich(!) arbeiten. Welch eine Ironie! Erst die chaotischen Anteile im Gehirn erlauben die breite Anpassungsfähigkeit und stellen die Spielräume für Reaktionen auf unbekannte oder unvorhergesehene Situationen her.
In der cranio-sacralen Energiearbeit spielt das Chaos insofern eine Rolle, als dass ich in der Behandlung vorwiegend intuitiv arbeite. Das bedeutet: Ich stelle eine gewisse Grundordnung her (Zimmer, Liege, Stuhl, bequeme Haltung, Aufmerksamkeit etc.), mache dann aber meine Aufmerksamkeit weich und weit, öffne mich für die subtilen Impulse. Intuition ist sozusagen eine Antenne für die tiefere Ordnung im Chaos. Die Intuition empfängt Impulse, die der ordnende Verstand ausblenden würde. Geben wir nun unserer Inutition bewusst Raum (denn wir sind mehr als unser Verstand), so können wir Impulse aus den subtileren Ebenen des Seins empfangen.
Dazu hatte ich heute ein sehr schönes Erlebnis: In der Cranio-Behandlung heute bekam ich ein abstraktes Bild, einen Zusammenhang. Das Bild kam auf eine innere Anfrage von mir, als Antwort aus den subtilen Ebenen. Mein Verstand konnte sich darauf keinen rechten Reim machen, aber das ist nicht ungewöhnlich in der Cranio-Arbeit. Oft machen solche Wahrnehmungen dann für meine Kunden einen Sinn, also erzählte ich nach der Behandlung davon. Meine Kundin konnte allerdings auch nichts richtig damit anfangen. Das eigentlich Interessante für mich war, dass wir beide damit ganz locker umgegangen sind. Da war eine Information, wie eine Art Puzzlestück, aus den subtilen Ebenen zu uns gekommen. Unser Verstand konnte damit nichts anfangen, aber irgendwie war sie bedeutsam. Also nahmen wir die Information zur Kenntnis und gaben sie dann bewusst in die subtilen Ebenen zurück.
Wenn ich das so schreibe, klingt es eher lapidar, doch hatte diese Erfahrung für mich eine tiefere Bedeutung: Wir würdigten und achteten das Unverstandene. Und wie ich noch einmal darüber nachdenke, fällt mir auf, dass die Botschaft ihre Wirkung bereits entfaltet hat - auf vielfältigste Weise, z.B. in diesem Artikel! Das ist Chaos in Aktion.
Ich liebe es!
Philosophisch kann man Chaos einfach als unerkannte Ordnung betrachten. Diese Vorstellung gefällt mir ganz gut - lässt sie dem ordnungssuchenden Verstand doch die Option offen, doch irgendwann fündig zu werden. Man kann sich diese Option aber ganz leicht wieder verbauen, indem man unüberwindbare Grenzen propagiert, was z.B. im Spruch „Gottes Wege sind unergründlich” mitschwingt (in dem Spruch steckt noch viel mehr, auf das ich heute nicht eingehen möchte). Entscheidend ist meiner Meinung nach, dass man das Chaos (bzw. die noch nicht erkannten Ordnung) einfach sein lassen kann und nicht dagegen ankämpft (dann wird es nur größer - siehe What we resist, persists).
Die Betrachtungsweise Chaos = unerkannte Ordnung ist insofern hilfreich, als dass sie darauf hinweist, dass Chaos und Ordnung etwas Gemeinsames haben und das Chaos nicht einfach Zufall ist. Es sind beides Phänomene der gleichen Existenz. Lediglich der Beobachter (d.h. z.B. ein menschlicher Verstand und/oder Geist) unterscheidet. Unterscheidung dient dem Erkennen. Wobei hier überall Paradoxe lauern: Um zu erkennen, unterscheide ich zunächst, um daraufhin den Nicht-Unterschied zu erkennen. Immer schön entspannt bleiben!
(Schöne Überleitung!) Denn genau in dieser „Nicht-Ordnung” können sich plötzlich neue Ordnungen offenbaren. Gerade eben habe ich über Unterschied und Erkennen nachgedacht und geschrieben. Und aus der leichten Verwirrung, die dabei bei mir entstand, funkelte plötzlich eine tiefere Wahrheit, ein subtiles Gefühl, eine Erinnerung.
Das ist für mich eine der Haupt-"funktionen" des Chaos: Kreativität. Aus dem scheinbar chaotischen entsteht neues (siehe Mutation in Darwins Evolutionstheorie). Insofern sorgt das Chaos dafür, dass nicht alles in der Ordnung erstarrt, sondern dass es stets Veränderung und Entwicklung gibt.
Chaos und Ordnung sind im Wechselspiel. Chaos bringt Leben hervor. Leben benötigt eine gewisse Ordnung, sonst wäre es gar nicht als solches erkennbar. Leben ordnet also, ist aber gleichzeitig Teil des Chaos. Reine Ordnung wäre auch kein Leben - dann wäre alles mechanisch und tot. Wieder anders ausgedrückt: Leben benötigt die Balance zwischen Chaos und Ordnung, zwischen Veränderung und Beständigkeit. Gleichzeitig ist Leben Teil des Kreislaufs Chaos->Ordnung->Chaos und hält diesen am Laufen. Ich denke dabei gerade an Nahrungskreisläufe: Vom kleinsten Einzeller über immer komplexere (geordnetere) Lebensformen bis zu deren Wiederverwertung.
Es gibt ein eindrucksvolles Beispiel dafür, das Leben ohne eine gewisse Portion Chaos nicht funktioniert. Das Gebiet der Chaosforschung ist noch recht jung. Das Wort Fraktal haben mittlerweile viele Menschen schon gehört, auch der berühmte Schmetterlingseffekt ist bekannt. Einer der Begründer dieser Disziplin, Edward Norton Lorenz, ist diese Woche gestorben; nach ihm ist der Lorenz-Attraktor benannt. Ich bin selbst kein Chaosphysiker, habe jedoch so einiges aufgeschnappt.
Zurück zum Beispiel: Man kann durch mathematische Analyse von EEG-Daten (Gehirnstrommessungen) einen epileptischen Anfall mit ein paar Minuten Vorsprung relativ gut vorhersagen, indem man die fraktale Dimension der EEG-Daten berechnet. Die fraktale Dimension ist nach meinem Verständnis eine Art chaotische Komplexität. Das interessante an dieser Untersuchung (leider konnte ich keine einschlägige Quelle mehr finden, ich erinnere mich vage an einen Fernsehbericht; hier stehen ein paar Verweise) ist, dass sich ein epileptischer Anfall durch ein Sinken der fraktalen Dimension ankündigte, d.h. das Chaos im Gehirn nahm ab.
Es ist mittlerweile wissenschaftlich anerkannt, dass EEGs chaotische Elemente enthalten (lange war das nicht sicher und man vermutete z.B. reines Rauschen, da ein EEG-Signal aus vielen, vielen Teilsignalen gebildet wird). Meine Schlussfolgerung daraus: Ohne ein gewisses Grundchaos kann das Gehirn nicht ordentlich(!) arbeiten. Welch eine Ironie! Erst die chaotischen Anteile im Gehirn erlauben die breite Anpassungsfähigkeit und stellen die Spielräume für Reaktionen auf unbekannte oder unvorhergesehene Situationen her.
In der cranio-sacralen Energiearbeit spielt das Chaos insofern eine Rolle, als dass ich in der Behandlung vorwiegend intuitiv arbeite. Das bedeutet: Ich stelle eine gewisse Grundordnung her (Zimmer, Liege, Stuhl, bequeme Haltung, Aufmerksamkeit etc.), mache dann aber meine Aufmerksamkeit weich und weit, öffne mich für die subtilen Impulse. Intuition ist sozusagen eine Antenne für die tiefere Ordnung im Chaos. Die Intuition empfängt Impulse, die der ordnende Verstand ausblenden würde. Geben wir nun unserer Inutition bewusst Raum (denn wir sind mehr als unser Verstand), so können wir Impulse aus den subtileren Ebenen des Seins empfangen.
Dazu hatte ich heute ein sehr schönes Erlebnis: In der Cranio-Behandlung heute bekam ich ein abstraktes Bild, einen Zusammenhang. Das Bild kam auf eine innere Anfrage von mir, als Antwort aus den subtilen Ebenen. Mein Verstand konnte sich darauf keinen rechten Reim machen, aber das ist nicht ungewöhnlich in der Cranio-Arbeit. Oft machen solche Wahrnehmungen dann für meine Kunden einen Sinn, also erzählte ich nach der Behandlung davon. Meine Kundin konnte allerdings auch nichts richtig damit anfangen. Das eigentlich Interessante für mich war, dass wir beide damit ganz locker umgegangen sind. Da war eine Information, wie eine Art Puzzlestück, aus den subtilen Ebenen zu uns gekommen. Unser Verstand konnte damit nichts anfangen, aber irgendwie war sie bedeutsam. Also nahmen wir die Information zur Kenntnis und gaben sie dann bewusst in die subtilen Ebenen zurück.
Wenn ich das so schreibe, klingt es eher lapidar, doch hatte diese Erfahrung für mich eine tiefere Bedeutung: Wir würdigten und achteten das Unverstandene. Und wie ich noch einmal darüber nachdenke, fällt mir auf, dass die Botschaft ihre Wirkung bereits entfaltet hat - auf vielfältigste Weise, z.B. in diesem Artikel! Das ist Chaos in Aktion.
Ich liebe es!
Geschrieben von Jamma Tino Schwarze
in Cranio-Sacral, Weisheit
um
22:13
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Tags für diesen Artikel: Cranio-Sacral, Weisheit
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Eine merkwürdige Zeit haben wir gerade. Also mindestens ich und noch einige weitere Menschen, mit denen ich mich zur Zeit über Befindlichkeiten austausche. Die letzten Tage (inkl. der vorigen Woche) war ich irgendwie gereizt, gestresst und unzufrieden ...
Aufgenommen: Sep 18, 21:44