Freitag, 31. Oktober 2008
Bericht von der Lebensschule, letzter Teil: Der 7. Tag
Was lange währt, wird gut. Oder so. Der Bericht vom 6. Tag liegt jetzt schon über 2 Monate zurück. Mittlerweile ist eine Menge passiert, unter anderem haben wir Lebenslehrer uns bei Sascha in Oyin getroffen, dort die Gründung des Lebensschule für Kinder e.V. vorbereitet, die mittlerweile abgeschlossen ist. Und wir haben bereits mit der Suche nach geeigneten Orten für die Lebensschule 2009 begonnen.
Es ist also an der Zeit, das Zurückliegende abzuschließen, was ich mit diesem Bericht vom 7. und letzten Tag der Lebensschule für Kinder 2008 tun möchte.
Es ist also an der Zeit, das Zurückliegende abzuschließen, was ich mit diesem Bericht vom 7. und letzten Tag der Lebensschule für Kinder 2008 tun möchte.
7. Tag Sonntag: Erik, Intention
Der 7. Tag stand im Zeichen der Intention. „Sei wahrhaftig” hatte uns die Mudra-Karte als Motto mitgegeben. Und tatsächlich hatten wir für diesen Tag eine sehr klare Absicht: Den Eltern etwas mitzugeben und rüberzubringen von dem, was ihre Kinder in den letzten Tagen erlebt hatten. Ein hoher Anspruch, den wir seit ca. Mittwoch im Fokus hatten - Erik hat sich da immer wieder drum gekümmert. Der Text der Mudra-Karte ist sehr passend: Es galt, aufzupassen, dass die Samen, die wir gesät hatten, nicht vom Winde verweht werden, indem die Kinder in ihre alten Modelle hineingehen, sobald die Eltern auftauchen. Daraus entstand die Idee eines kleinen Rituals. Wir wollten die Kinder den Eltern „übergeben”, d.h. zunächst sollten die Eltern nur Gast bei uns und ihren Kindern sein.
Valentina (mit viel Erfahrung in Sachen Performances) hatte die Idee, eines Blindfolding, d.h. das wir die Eltern nicht „einfach so” in usere Lebensschule hereinlassen, sondern diese vor dem Tor warten und dann von den Kindern abholen lassen. Mit verbundenen Augen. Sie sollten sich von ihren Kindern führen lassen, um auf diese Weise in unsere Lebensschule einzutauchen. Auch hatten wir auf diese Weise den Einstieg sehr schön in der Führung. Nachdem wir alle zusammen im Küchenvorraum gefrühstückt hatten und schon etwas Streß aufkam, weil die Zeit langsam aber sicher fortschritt und wir noch Vorbereitungen zu treffen hatten, war dann doch gerade alles rechtzeitig an seinem Platz. Die anreisenden Eltern wurden vor dem Tor abgefangen und von Elke und Erik mit Kaffee begrüßt. Als dann drinnen alles fertig war, kamen die Kinder ihre Eltern abholen, verbanden ihnen die Augen und führten sie hinein. In unsere Welt. Also fanden sich die Eltern zunächst im Vertrauen und kurze Zeit später auf unserem geschmückten Dorfplatz wieder.
Es folgte dann das von den Kindern vorbereitete Programm, u.a. mit Musik, Ek-Ong-Kar singen und tanzen, es gab Clown-Einlagen, Schauspiel uvm. Beeindruckend war, wie gelöst und selbstbewusst die Kinder in dem Programm agierten. Keine Spur von Aufregung oder Lampenfieber. Einfach nur Freude und Spaß!
Für uns Lebenslehrer war es schön, das Farani wieder zu uns stieß und jetzt mit voller Kraft da sein konnte - wir waren doch alle recht erschöpft, hatte sich die letzte Nacht doch sehr, sehr lange hingezogen und wir hatten nur ca. 3 Stunden geschlafen und ein volles Programm vor uns. Wir hätten alle geleuchtet, meinte sie später.
Nach dem Programm der Kinder war es schon Mittagszeit (ungewöhnlich früh für Lebensschule-Verhältnisse
Die Runde mit den Eltern war sehr berührend. Wir lasen jedes einzelne Zeugnis vor und sahen, dass die meisten Eltern sehr berührt davon waren, wie wir ihre Kinder erlebt und gewürdigt haben. Diese Runde war sehr wichtig, insgesamt. Es wurden dann noch einige Fragen gestellt, wer wir eigentlich seien, was wir sonst so täten und so weiter. Ursprünglich hatten wir geplant, dass jeder der Lebenslehrer sich noch einmal vorstellt, dafür war aber keine Zeit (und die anderen waren auch gut beschäftigt, das Lager aufzuräumen).
Jetzt ging es ins Finale. Wir riefen alle zum Lagerfeuerplatz und die Zeugnisübergabe sollte stattfinden. Erik hatte sich mit heftigen Kopfschmerzen abgemeldet und ich hatte das übernommen - bar jeglicher Vorberitung oder vorheriger Erfahrung. Und noch dazu ziemlich übermüdet und fertig. Nunja. Da stand ich also mit einem Packen Zeugnissen, einem großen Haufen Kinder, noch mehr Erwachsenen und einem ganz groben Plan, was wir eigentlich mit der Übergabe bewerkstelligen wollten. Wir hatten uns zum Ziel gesetzt, dass die Kinder ihre Eltern um Unterstützung bitten zur Bewältigung einer Einseitigkeit in ihrem Leben. Die Zeugnisse endeten alle mit einer Empfehlung, a la
Es würde Dein Leben noch schöner machen, wenn Du auch einmal ... [z.B. Deinen Willen durchsetzt]. Bitte dafür auch andere Menschen um Unterstützung.So war jedenfalls der Plan. Obwohl mir später versichert wurde, dass man von meinem Rumgeeier nichts gemerkt hätte, hatte ich mächtig zu tun, die Aufmerksamkeit und Führung zu halten. Wir hatten zwei Kreise gebildet - die Kinder saßen direkt am Lagerfeuer und die Eltern draußen drumherum. Wir ließen jeweils die Eltern hinter ihr Kind treten und ich verlas noch einmal das Prädikat und die Empfehlung vom Zeugnis. Danach drehte sich das Kind um und bat um Unterstützung. Erst nach und nach kam die Ernsthaftigkeit dieses Vorgangs zum Tragen (und Erik wies zum Glück nochmal darauf hin, dass ein „Ja, dabei unterstütze ich Dich” oder gar ein „Ja, ich verspreche, Dich dabei zu unterstützen” viel mehr Gewicht hat als ein ”Aber klar doch *knuddel*”).
Als nun alle Zeugnisse verlesen und ausgeteilt waren, schauten mich plötzlich die Kinder erwartungsvoll an und einer meinte: „Wo bleibt die Überraschung?” Au weia! Wir hatten doch gar keine! Irgendwie hatte sich die Idee festgesetzt, dass es noch eine Überraschung geben würde. Ich war also ziemlich verduzt und auch etwas verzweifelt sah ich in die Runde der Lebenslehrer. Bis mir die Mappe in meiner Hand wieder einfiel, aus der ich die Zeugnisse gezogen hatte. Da waren nämlich noch einige Zettel drin. Eine Teilnehmerliste mit Fotos von allen Kindern! Die hatte ich am Tag zuvor in unserem Büro noch erstellt und für jedes Kind mit ausgedruckt und beinahe vergessen. Puh! Die Überraschung war da und der Moment gerettet!
Die Abreise ging dann recht fix wir verabschiedeten uns herzlich von den Eltern und vor allem Kindern. Wir Lebenslehrer blieben zurück und begannen mit dem Aufräumen, was eine ziemliche Knochenarbeit war, da wir alle ziemlich geschafft waren von der Woche und von dem Tag. Trotz aller Anstrengung wollten wir uns noch einmal zusammensetzen und den Tag gemeinsam ausklingen lassen, uns vom Ort verabschieden, auch dem Abschiedsschmerz und der Wehmut Raum geben. Wir mussten leider gleich aus dem Lager, da ließ sich nix machen, das musste abgeschlossen werden. Also fuhren wir dann gegen 7 im Konvoi ein paar Kilometer weiter auf einen Parkplatz am Waldrand, wo auch eine Bank stand mit Tisch zum dransetzen und werteten kurz den Tag aus - in guter Redekreis-Manier, aber sehr kurz und knackig. Farani hatte noch eine schöne Übung für die Gruppe aus Frankreich mitgebracht und so standen wir wenig später im Kreis auf der Wiese und genossen unsere liebevolle Verbindung.
Mein herzlicher Dank geht an dieser Stelle nochmal zu meinem Freund Samudra, der mich vor Ort mit dem Auto abgeholt hat und seinem Namen entsprechend einfach nur die Ruhe selbst war und mir die Zeit und Entspannung gegeben hat, das alles ausklingen zu lassen - während wir Lebenslehrer noch miteinander beschäftigt waren, saß er geduldig im Auto und wartete.
Als wir den letzten Tag bei unserem Treffen in Oybin nochmal ausgewertet haben, berichteten die meisten von uns, einfach nur fertig gewesen zu sein (das machen wir nächstes Jahr besser.
Als weitere Gemeinsamkeit für uns Lebenslehrer bleibt, dass die Lebensschule uns alle sehr verändert hat. Diese eine Woche hat einen stetigen Liebesfluß in Gang gesetzt. Unser vorher stilles Forum ist zum Leben erweckt. Unser Miteinander ist aufgelebt (viele von uns kannten sich vorher gar nicht). Es gab Prozesse und Erkenntnisse ohne Ende. Und es ist einfach nur schön.
Ich bin allen Beteiligten sehr dankbar, dass ich das alles erleben durfte. Die Lebensschule 2008 war/ist ein wichtiger Meilenstein in meinem Leben.
Alles Liebe.
Tino-Emanuel.
Geschrieben von Jamma Tino Schwarze
in Lebensschule
um
23:58
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Tags für diesen Artikel: Bericht, Eltern, Ferienlager, Freude, Intention, Kinder, Kraft, Leben, Lebensschule, Leichtigkeit, Liebe, Spaß, Wertschätzung, Würdigung
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